|
Lang WM in Sater, Schweden
Schweden – die Heimat so vieler wunderbarer Erfindungen, ohne die der gemeine Mensch doch gar nicht auskommen kann – IKEA, ABBA, WASA Mjoelk, um nur mal einige zu nennen. Dort, dem Zuhause der ultimativ nuetzlichen Imbusschluessel, mit denen man wirklich jedes Moebelstueck von IKEA selber zusammenbauen kann, sollte also die Weltmeisterschaft im Triathlon auf der Langdistanz ausgetragen werden dieses Jahr. Und mal nicht in Nizza.
In Nizza war ich auch schon, in Schweden noch nie. Meine Eltern fanden das auch mal eine Reise wert, und so sollte es am 1. Juli nach Sater gehen. Super, so musste ich doch nicht allein fahren. Erstes Frage: Wo liegt eigentlich Sater??? – Antwort: Am Ende der Welt! Zweite Frage: Wie kommt man wohl ans Ende der Welt? Also, Sater ist ganz klar ein „Kaff“ wie es im Buche steht, und extrem weit noerdlich in Schweden gelegen. Aber idyllisch, versteht mich nicht falsch. Mit dem Auto haette die Reise so um die 15-18 Stunden gedauert, wir entschieden uns fuer die Kombination Auto-Flugzeug-Auto, weil Ryan Air superguenstige Fluege nach Stockholm, oder doch zumindest dessen Naehe anbot. Ich nehme es mal vorweg, es dauerte geschlagene 10 Stunden, bis wir von zuhause aus endlich in unserem Hotel in Borlaenge angekommen waren. Mann, war ich fertig! Und schlafen ging eigentlich auch fast nicht, denn da war eine Kleinigkeit, die ich gar nicht bedacht hatte: Es wird ja einfach gar nicht dunkel da oben im Sommer! Da ist es bei uns dunkler, wenn wir ein Waermegewitter haben! Mit Schlaf war es also etwas mau.
Da ich ja jetzt so richtig mitten im Berufsleben stehe, jaaaaaa, genau, konnte ich auch erst am Donnerstag abend anreisen, und so hab ich von der Besprechung, wie diese WM denn nun ablaufen sollte, gar nichts mitbekommen. Mich hat das nicht so gestoert, ich war einfach nur muede ohne Ende und machte mir ernsthaft Gedanken, ob ich den Wettkampf ueberhaupt durchstehen wuerde, und hatte ich genug trainiert, hatte ich die richtigen Vorbereitungen getroffen. Na, nun war es zu spaet, Samstag frueh um acht ging es los, da biss die Maus keinen Faden mehr ab. Um Dunkelheit in der Wechselzone brauchte ich mir, wie gesagt, keine Gedanken machen, es war taghell, und auch die Nacht vorm Wettkampf war eine relativ schlaflose Nacht. Das Wetter liess ganz schoen zu wuenschen uebrig, von wegen Sommer....es war kalt, wirklich windig und ab und zu regnete es ganz schoen kraeftig, und so blieb es auch den ganzen Tag.
Zuerst mal sollten 4km geschwommen werden, im See, das, so dachte ich, war doch eine meiner leichtesten Uebungen – ha! Pustekuchen, dieses Mal nicht. Es ging ab mit einem Affenzahn, und ich konnte das Tempo auch bis etwa zur Haelfte der Strecke mitschwimmen, dann fielen mir fast die Arme ab, aber ich musste noch 2km weiterrudern. Das bin ich gar nicht gewoehnt! Ich musste frustriert mit ansehen, wie sich die Spitzengruppe immer weiter von mir entfernte, ich fiel zurueck. Panikgefuehle machten sich bereits startklar zu einer kleinen Party in meinem Kopf, man kann schlecht beschreiben, was da so in einem vorgeht, wenn es gleich von Anfang an nicht so laeuft, wie man das in seinen schoensten Tagtraeumen so gesehen hat. Ich war muede, sooooo muede, und ich bin aus dem Wasser gekommen, nur um von meinem Vater angesagt zu bekommen, dass ich 3 – in Worten DREI – Minuten zurueckliege. Oh, nee, du kriegst die Tuer nicht zu. Drei Minuten??? Ich kann mich gar nicht erinnern, jemals so eine Packung bekommen zu haben! Frust machte sich verdammt breit bei mir, und ich bin mit einer ultraschlechten Stimmung auf mein Rad gestiegen. 120km in Wind, Kaelte und Regen – na toll!, und drei Minuten Abstand, super! Ich gebe an dieser Stelle offen zu, dass ich nicht der Meister in positiver Verstaerkung bin, ich haette mich aufbauen muessen, statt dessen hab ich mich nur tiefer runtergezogen. Wie gern wollte ich mein Rad einfach in den naechsten Graben pfeffern und mich mit vorgeschobener Unterlippe an den Strassenrand setzen und schmollen!!! Und dann diese verflixten Ruecknschmerzen. Auch das eine voellig neue Erfahrung fuer mich, Rueckenschmerzen hatte ich noch nie gehabt. Hmm, wen koennte ich denn hinterher mal dafuer verantwortlich machen...es gehen einem die merkwuerdigsten Dinge durch den Kopf. Und dieses miese Wetter... Das einzig Positive am Radfahren war, dass mich zum ersten Mal nur ein oder zwei Athleten ueberholten, ich aber permanent Leute einsammelte – das kennt man sonst von mir doch gar nicht, Radfahren war bisher ja nicht so meine Staerke. Sollte das Training vielleicht doch ganz gut gewesen sein, die Methoden nicht fraglich?
Als ich endlich die Radstrecke absolviert hatte, bruellte mir mein Vater zu, dass ich an zweiter Stelle laege. Zweite Stelle, echt? Das hoerte sich doch schon mal ganz gut an, oder? Wenn ich nicht diese Rueckenschmerzen gehabt haette, oh, meine Guete, wie kann das denn? Ich dachte zuerst, ich koennte gar nicht laufen, und meine Laune war ob der Tatsache, dass mein Schwimmen so mies gelaufen ist, immer noch entsprechend verlaust. So schleppte ich mich eher mehr ueber die Laufstrecke, als dass ich ein schnelles Rennen hintenraus lief, und immer noch machte mir der Kopf Probleme, ich wollte mich gern in die Ecke setzen und aufhoeren. Aber ich weiss es ja, und Sylvie hatte es mir ja auch noch mal oft genug gesagt; bei einem langen Rennen kann viel passieren, und 90% des Rennens finden einfach im Kopf statt, und aufgeben aus reinen Jammergruenden??? Das Wetter wurde weder waermer noch besser, aber meine Rueckenschmerzen liessen zum Glueck nach etwa 15 km nach, und ich konnte erleichtert endlich so richtig den Hahn noch mal aufdrehen. Ich kann behaupten, ich hab alles gegeben, was ging. Ich bin doch nicht den weiten Weg in die nordische Helligkeit gefahren, um irgendetwas anderes zu werden als Weltmeister! Eine ungemein arrogante Aussage, aber vielleicht das Einzige, was mir half, meinen Koerper wirklich an seine Grenzen zu bringen, mich an die erste Stelle zu schieben und als Sieger die Ziellinie zu ueberqueren!
WELTMEISTER! JUCHHU, GESCHAFFT, WAS FUER EIN GEFUEHL! Nach dem Vizetitel endlich der ersehnte Titel! Es war nicht einfach, weiss der Himmel. Aber ich bin wieder mal ein bisschen klueger geworden und kann eine Schwaeche ausmerzen, die mich bisher davon abgehalten hat, ein besserer Athlet zu werden.. |
(c) all rights reserved by b.a.s. beach advertising system germany